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Reisebericht Namibia

11. Juni bis 9. Juli

250 km gerade aus nach Süden, 300 km gerade aus nach Westen und dann 660 km nach Norden. Dann sollten wir Windhoek erreicht haben. Am 15. Juni haben wir einen Termin in der Garage wegen unserer Stossdämpfer und am 17. am Morgen sollten Ruedi und Regula, meine Schwester, in Windhoek eintreffen. Ein ganz schönes Programm, das wir nun in Tagesrationen aufteilen wollen.

Heute fahren wir bis an die Grenze und übernachten gleich im nächsten Ort im Joliens Rest Camp. Es ist relativ laut hier wegen der vielen Lastwagen, aber der Besitzer ist nett, hat ein Restaurant und kocht gerne Lamm für uns. Wir sind die einzigen Gäste, die im Restaurant platziert sind, alle anderen sitzen bei der Takeaway-Theke und futtern dort was sie gekauft haben. Wir verstehen’s nicht ganz, aber der Besitzer erklärt uns, dass er die Trennung von Theke und Restaurant vornehmen musste, weil er sonst die ganze Zeit Knochen und Essensreste zusammenwischen muss… Hier sehen wir zum ersten Mal, seit wir in Afrika sind, einen hell- und einen dunkelhäutigen Jungen zusammen spielen. Was für ein schönes und eigentlich so normales Bild!

Für uns geht es weiter westwärts bis Grünau, wo wir die B1 erreichen. Von anderen Reisenden haben wir gehört, dass das White House kurz nach Grünau sehr schön sei zum Übernachten. Kurz zögern wir, weil wir eine längere Etappe geplant hatten, dann biegen wir aber trotzdem ab und sind begeistert. Im Haupthaus mit Rezeption gibt es einen kleinen Shop mit wunderschönem Rosenquartz Schmuck, den die Besitzerin selber herstellt. Das ideale Geburtstagsgeschenk für Regula! Der effektive Zeltplatz liegt dann noch etwa 3km weiter auf einer Sandpiste wunderschön mitten in einem liebevoll angelegten Sukklenten- bzw. Kakteengarten. Wir sind ganz allein und geniessen es an der warmen Sonne. Als wir gerade am Kochen sind, kommt der Besitzer vorbei nur um zu fragen, ob alles in Ordnung sei bei uns. Schade, dass wir nicht länger bleiben können…

Unser nächster „Boxenstopp“ ist in Mariental, fast 400km weiter nördlich. Anschauen müssen wir hier noch nichts, die Strecke fahren wir noch einmal mit Bitzis. Aber wir kommen recht gut voran, obwohl es Baustellen hat unterwegs. Unser Fahrerwechsel-Konzept bewährt sich, wir wechseln uns nach wie vor jede Stunde ab am Steuer. Das River Chalet Camp ist etwas abenteuerlich, vor allem das Restaurant ist eine Mischung aus Zoo und Cowboy-Saloon. Die Pizza zwischen Hühnern, die auch an den Füssen Federn haben, Truthähnen und Enten, Eseln und einem Kamel schmeckt und der Rotwein lässt uns gut schlafen.

Auch die letzte Strecke bis Windhoek schaffen wir problemlos - trotz meiner Zweifel und Ängste wegen der Stossdämpfer… Aber ein bisschen viel war es doch. Wir haben im Urban Camp, einem Zeltplatz in Kleinwindhoek, reserviert und bekommen einen wunderschönen Platz zuhinterst in der Ecke, sehr privat mit eigenem WC und Dusche. Super. Jetzt kann ich ausatmen und hoffen, dass wir morgen unser Truckli wieder in Ordnung bringen können. Wir fahren früh los, also wir wollen los fahren, aber die Barriere lässt sich nicht öffnen. Der Angestellte, den ich finde, kann es auch nicht und plötzlich wuselt es rings um von Mitarbeitern, die wohl den Chef mit dem Schlüssel suchen. Endlich ist es geschafft und wir kommen etwas verspätet in die Garage, die sich aber eher als Autobau-Werkstatt entpuppt. Der Besitzer, dem wir unser Anliegen geschrieben haben, erklärt uns, dass sie das nicht machen. Super! Aber er kann etwas organisieren für uns. Eine halbe Stunde später steht unser Truckli schräg vis-à-vis in der Garage von Koman, der die Stossdämpfer ausbaut. Nach gründlicher Prüfung aller vier Stück ist klar: wir brauchen für alle Ersatz, sie taugen nichts mehr. Als wir dann nachschauen, wann wir die hinteren zuletzt gewechselt haben, stellen wir fest, dass das in Kasachstan war… Naja, Verschleiss eben und gehalten haben sie ja wirklich lange! Nun ist Warten angesagt und wir vertreiben uns die Zeit im kleinen Einkaufszentrum (es ist saukalt, denn der Wind bläst recht stark von den Bergen). Am Nachmittag ist alles erledigt, Stossdämpfer gewechselt, alles kontrolliert, Kühlerflüssigkeit ersetzt und Chassis geschmiert. Die Kosten halten sich auch in Grenzen und nun muss das Truckli noch hinaus gefahren werden. Da kracht es. Die Kiste auf dem Dach ist weggerissen und arg verbeult, sonst ist aber nichts passiert. Shit happens! Kiste runter nehmen, ausbeulen und mit neuen Schrauben wieder irgendwie befestigen. Endlich können wir fahren.

Zurück im Camp werden wir von einem österreichischen Paar „besucht“ die ganz begeistert sind von unserem Luxusauto ;-). Sie haben auch einen Landcruiser, aber nicht ausgebaut wie unserer. Mit ihnen wäre wohl auch noch gut zu reisen, aber zeitlich passt es halt eben nicht. Sie sind Richtung Norden unterwegs und wir haben unsere Ferienreise mit Bitzis vor uns.

Heute ziehen wir um auf den Zeltplatz der Arebbusch Lodge. Unterwegs gehen wir im Spar die Lebensmittel einkaufen, die es bei Foodlovers eher nicht gibt. Teigwaren, Risottoreis, etc. Den Rest wollen wir dann mit Bitzis einkaufen, damit wir eine gemeinsame Vorstellung unserer möglichen Menüs haben. Ich bin total nervös ob wirklich alles klappen wird. Wir stehen schon um halb sieben auf, es ist noch dunkel, und fahren nach einem Kurz-Frühstück los auf den Flughafen, der ca. 45 km ausserhalb der Stadt liegt. Das Flugzeug ist bereits gelandet als wir ankommen, Passagiere sind aber noch keine draussen. Wir warten eine gefühlte Ewigkeit. Und als der Fahrer von ASCO, der die beiden abholen soll, erklärt, dass oftmals das Gepäck nicht ankomme, werden meine Nerven grad noch einmal strapaziert. Dann kommen sie - strahlend und mit Koffern. Alles tip-top. Beim Einchecken in der Lodge treffen wir uns wieder und machen dann bei unserem Truckli ein ausgedehntes Frühstück an der Sonne. Wir besprechen unsere weiteren Pläne und entscheiden uns, bereits heute einzukaufen, damit wir morgen, wenn Bitzis ihr Auto haben, direkt losfahren können. Wir lassen uns an der Rezeption ein Taxi rufen und lassen uns zum Foodlovers fahren. Der Chauffeur gibt Urs seine Visitenkarte - wir können ihn anrufen, wenn wir fertig sind. Also geht es los: Früchte, Gemüse, Fleisch, Käse, Wasser und zum Schluss noch Wein und Gin. Wir sind ganz schön beladen. Jetzt noch das Taxi rufen und dann alles vorläufig irgendwie im Truckli verstauen. Nur: Wo ist die Visitenkarte hingekommen? Sie ist nicht mehr auffindbar. Ich frage einen Security-Mann, ob er uns ein Taxi rufen könnte. Leider ist sein Telefonguthaben bereits aufgebraucht… In der Not frage ich den nächstbesten jungen Mann, der ein Handy in der Hand hält. Er fragt, wohin wir müssen und lädt kurzerhand alle und alles in seinen kleinen Ford. Er muss sowieso in diese Richtung und so kommen wir doch noch ohne grosse Umstände zurück zur Lodge. Das erste Abendessen kochen wir nicht selber, wir essen im Restaurant der Lodge und gehen dann relativ früh schlafen. Für Bitzis war es ein sehr langer Tag und auch wir sind müde und froh, dass es morgen endlich losgehen kann mit dieser Reise, die bereits seit mehr als zwei Jahren geplant ist.

Pünktlich um neun Uhr werden Bitzis abgeholt, um ihren Geländewagen in Empfang zu nehmen. Die Formalitäten sind schnell erledigt, das Video mit den möglichen Gefahren geschaut, die Instruktionen für Auto und Dachzelt zur Kenntnis genommen. Es gibt noch zusätzliche Decken weil Winter ist, dann ist alles komplett. Ruedi sitzt ans Steuer und stellt fest, dass er zu tief sitzt. Unser bewährtes Badetuch schafft Abhilfe. Richtig zusammengefaltet hat es exakt die richtige Höhe.

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Jetzt kann’s definitiv losgehen Richtung Mariental, wo wir in der Bagatelle Kalahari Game Ranch einen Platz reserviert haben. Das (links) Fahren geht gut und auch das letzte Stück Sandpiste zur Ranch meistert Rudi ohne Probleme. Der Platz ist wunderschön etwas abseits vom Hotel mit Dusche und Toilette und - ganz wichtig - warmem Wasser zum Abwaschen. Aber zunächst müssen wir richtig „einpuffen“. Was kommt in welchen Kühlschrank, wie wird der „Kleiderschrank“ von Bitzis organisiert und wie sieht es mit der Campingküche von ASCO aus? Letztere ist eher dürftig: Nur Alu-Pfannen, Plastikgeschirr das eher unappetitlich aussieht, Blechbecher und einen Wasserkocher. Naja, da sind wir doch um einiges besser eingerichtet im Truckli. Wir haben Teller, Besteck und Gläser für alle und unsere Pfannen sind top. Also alles kein Problem. Der Wasserkocher bleibt draussen, den Rest packen wir gleich wieder weg. Ruedi stellt das Dachzelt zum ersten Mal auf - wie hat der ASCO-Mann das genau gemacht? - und dann sind wir schon fast bereit für den Abendspaziergang. Während dem Apéro noch rasch das Menü 1 vorbereiten (Gemüse-Kartoffel-Pfanne und Fleisch vom Grill), dann erklimmen wir die beiden Hügel und Ruedi und Regula geniessen den ersten feurigen Sonnenuntergang in Afrika. In der Ferne grasen ein paar Antilopen (oder so…), sonst sehen wir aber keine Tiere. Menü 1 schmeckt super, der Wein dazu ebenfalls und leicht angeschickert nach dem Gin-Schlummertrunk steigen die beiden hinauf in ihr Zelt. Wir hören sie noch eine Weile „nuschen“ und lachen, dann schlafen auch wir ein und nehmen uns vor, am Morgen frühzeitig wach zu werden. Regula hat nämlich die Befürchtung, dass wir jeden Tag bis neun Uhr schlafen…

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So ist es dann nicht, auch wir stehen bereits kurz vor acht Uhr auf und ich beginne mit dem „Innendienst“, der mein Job ist und auch bleiben wird. Das heisst alles herausgeben was es braucht und anschliessend wieder versorgen. Auch Ruedi hat seine Aufgabe schnell bekommen: Abwaschen und gelegentlich Holz sammeln. Regula ist die Gemüse- und Salatfrau, Urs kocht den Rest… Alles schon klar nach dem ersten Tag unterwegs. Unser Frühstück ist reichhaltig - Brot, Käse, Butter, Schinken, Streichwurst, Konfitüre - und gemütlich. Unser nächstes Ziel, der Köcherbaumwald in Keetmanshoop, ist nicht so weit entfernt. Wir tuckern los und sehen beim Hinausfahren eine Giraffe den Hals strecken und ein paar Springböcke grasen.

Am Nachmittag kommen wir im Camp an und suchen uns einen etwas windgeschützten Platz, denn der kühle Wind ist zügig und mit dem Gaskocher ist es so eine Sache: Wenn es windet dauert es ewig bis etwas kocht. Und heute gibt es Menü 2, Spaghetti Bolognaise. Urs beginnt gleich Zwiebeln und Rüebli zu hacken, damit die Sauce schön langsam köcheln kann. Regula und ich suchen uns ein Duschhäuschen mit möglichst grossem Warmwassertank, damit unser Duschvergnügen bis zum Schluss warm bleibt…

Der Abendspaziergang durch den Köcherbaumwald ist wunderschön. Die Bäume zeichnen sich vor dem gelb-orangen Himmel ab und die Klippspringer geniessen die Restwärme auf den roten Felsen.

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Zurück im Camp macht uns Regula einen schönen Salat und die Spaghetti sind auch bald al dente. Wir ziehen uns warm an, damit wir nicht schon um acht Uhr ins Bett müssen und runden den Abend schliesslich mit einem Gin-Tonic ab. Die Nächte sind immer recht kalt und Bitzis sind froh um die zusätzlichen Decken in ihrem Dachzelt.

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Heute steht der erste grosse „Gravel Road“ Abschnitt an. Von der geteerten B4 biegen wir nach einigen Kilometern auf die C12 Richtung Fish River Canyon ab. Als Überraschung haben Urs und ich beim Naute Damm einen Stopp bei der Naute Kristall Destillerie eingeplant: Hier wird Gin gebraut! Damit wir wissen, ob wir eine Flasche kaufen sollen, bestellen Regi und ich kurzerhand einen entsprechenden Apéro. Er schmeckt nicht schlecht (der Blind Tiger ist aber besser…) aber schliesslich soll man das lokale Gewerbe unterstützen… eine Flasche hat gerade noch Platz im Vorrat. Da wir ab jetzt vor allem Kies- und Sandstrassen fahren werden, passen wir hier auch gleich den Reifendruck beider Autos an.

Nun geht es staubig weiter, aber die Piste ist besser als gedacht und wir kommen zügig voran. Im Camp angekommen sehen wir uns erst mal um. Ausser uns übernachtet nur noch ein südafrikanisches Paar hier. Der Platz sieht etwas vernachlässigt aus aber es hat alles, was wir brauchen: Feuerstelle (Ruedi sammelt vorsorglich Holz), WC/Duschhaus, Wasser und Sitzgelegenheiten, die man allerdings nicht wirklich nutzen kann, da sie von den zahlreich vorhandenen Vögeln arg verschmutzt sind. Aber wir haben ja Campingstühle. Nach dem Dog-Spielen ist es Zeit für’s Feuer, Menü 1 steht wieder auf dem Programm. Die Feuerstelle dient uns nach dem Essen gleich als Gin-Bar und trotz empfindlicher Kühle stehen wir noch lange draussen.

Am Morgen fahren wir mit Bitzis Auto zum Haupt-Aussichtspunkt am Canyon, der sich ein paar Kilometer weiter entfernt durch die karge Landschaft schlängelt. Nach dem Grand Canyon ist dies der zweitgrösste seiner Art auf der Welt. Zu Fuss wandern wir von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt und bestaunen die wunderschöne Landschaft. Leider ist es ein wenig bewölkt und die Farben entsprechend gedämpft, dennoch ist die Gegend unglaublich eindrücklich. Auf die Canyon-Wanderung würden wir aber verzichten, als wir den Weg sehen, der in die Tiefe führt: Der ist eher nicht für Menschen mit Höhenangst! Als wir fast vis-à-vis vom Startpunkt der Wanderung sind, können wir mit dem Feldstecher eine Gruppe Wanderer ausmachen, die sich an den Abstieg wagen. Wir begnügen uns mit der Aussicht von oben und fahren dann zurück ins Camp, wo wir die Nachmittagswärme zum Duschen nutzen. Dieses stellt sich jedoch als eher zweifelhaftes Vergnügen heraus: Als Regula von Kopf bis Fuss eingeseift ist, kommt nur noch kaltes Wasser…

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Urs bereitet das Menü 3 vor: Rahmgulasch mit Gemüse und Reis, zum Apéro wie immer Weisswein/Bier, zum Essen Rotwein und als Schlummertrunk Gin-Tonic/Bier in unterschiedlichen Mengen… Ein paar Regentropfen gibt es auch noch, aber auch dafür ist unser Truckli gerüstet: Wir spannen einfach die Sonnenstore auf und sitzen im Trockenen.

Regula hat Geburtstag, aber auf das Champagner-Zmorge müssen wir verzichten, denn vor uns liegen gute 300 Kilometer bis nach Aus. Der Platz dort ist superschön, das Personal der Lodge sehr freundlich und hilfsbereit. Gegen eine kleine Gebühr können wir die Wanderkarte der Umgebung herunter laden und der nette Angestellte empfiehlt uns den Sonnenuntergangs-Aussichtspunkt mit Blick auf die Wüste. Vorher aber holen wir das Feiern mit einem etwas früheren, dafür ausgedehnten Chlöpfmoscht-Apéro nach. Vorsorglich zünden wir unser Feuer an damit wir schöne Glut haben, wenn wir vom Sonnenuntergang zurück sind. Die Wanderung auf den Hügel ist länger als gedacht, der Wind ziemlich eisig aber die Aussicht umwerfend! Sogar ein paar der berühmten Wildpferde sehen wir grasen auf der Ebene. Das Steinpferd ist ebenfalls sichtbar, manchmal ist es vom Gras bedeckt. In dieser Trockenheit kann man sich das irgendwie gar nicht vorstellen. Beim Znacht müssen wir bereits die Wolldecken um die Füdli schlingen um uns warm zu halten.

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Am nächsten Tag machen wir eine der gut bezeichneten Wanderung durch die Fels- und Berglandschaft. Tiere sehen wir wenige aber die Gegend ist unglaublich schön und die Temperatur ideal zum Wandern. Auf dem Rückweg geniessen wir bei einem kühlen Bier die warme Sonne auf der windgeschützten Terrasse der Lodge. Auf dem Zeltplatz wird es immer zügiger und kälter. Trotzdem gehen wir noch rasch unter die Dusche. Regi hat wieder Pech: Als sie dran ist, holt eine andere Campern das restliche warme Wasser zum Abwaschen…

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Wir ziehen alles an was warm gibt, beissen die Zähne zusammen und essen noch knapp draussen. Während Urs und Ruedi zum Abwaschen gehen, nehme ich im Truckli eine „Wohnraumvergrösserung“ vor und stelle die Heizung an. Wie sind die beiden halb Erfrorenen froh, an die Wärme zu kommen. Gemütlich sitzen wir zu viert im Truckli, Skipbo-Spielen geht sogar auch noch. Der Abend ist gerettet!

Der Morgen ist aber keinen Deut besser! Nach einer windigen Nacht - wir haben alle nicht viel geschlafen weil das Bitzi-Zelt geschüttelt und geflattert und unser Dachzelt ebenfalls in den Windböen gezittert und geschlagen hat - koche ich das Kaffeewasser im Truckli (auf dem Gaskocher draussen hätten wir keine Chance) Regula frühstückt mit Handschuhen und wir alle stehen und sitzen in Vollmontur um den Tisch. Endlich ist zusammengepackt und wir können heizen beim Fahren! Aber die Sonne meint es gut und hinter der Windschutzscheibe wird es schnell wieder warm und behaglich. Wir fahren ein Stück zurück wieder nach Aus zum Tanken und Einkaufen (ausser Alkohol und Brot gibt es nicht wirklich viel…) und biegen dann auf die C13 Richtung Norden ab. Landschaftlich wird es immer schöner und als wir auf die D707 einbiegen, erstrecken sich links von uns die Tiras-Berge und auf der anderen Seite die Namib mit Grasland und rotgoldenen Dünen im Hintergrund. Immer wieder müssen wir anhalten, schauen und staunen. Auch unser Camp Koiimasis, das über eine 23 km lange Sandpiste zu erreichen ist, liegt wunderschön in Felsen eingebettet in einem kleinen Tal. Beim Einchecken kaufen wir Oryx-Steaks und wer hätte es gedacht: Es gibt Menü 1 zum Znacht. Wir stellen uns möglichst windgeschützt auf, dann schicken Urs und ich Ruedi und Regi (die sich so etwas wie einen Hexenschuss zugezogen hat) auf den ausgeschilderten Rundweg. Laufen soll helfen bei solchen Schmerzen. Ich versuche, ein bisschen am Reisebericht Südafrika zu schreiben, Urs beschäftigt sich mit der weiteren Reise. Dann bereiten wir Menü 1 vor, denn das Gemüse und die Kartoffeln schnippeln sich nicht von selber und Regula fehlt. Als die beiden zurück kommen, haben wir bereits schöne Glut und das Gemüse muss nur noch auf den Kocher. Heute wärmt uns das Feuer den ganzen Abend lang und der Wind hält sich auch in Grenzen. Wir dürfen auf eine erholsamere Nacht hoffen!

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Die haben wir dann auch und stehen wieder einmal erholt und ausgeschlafen auf. Wir fahren zurück zur Hauptstrasse und weiter in nach wie vor spektakulärer Landschaft Richtung Norden. Das manchmal grünlich-silbrig, manchmal golden schimmernde Gras wogt im Wind, auf der einen Seite erheben sich rötlich-braune Berge, auf der anderen Sandddünen. Und immer wieder sehen wir kleine Gruppen grasender Oryx-Antilopen und die allgegenwärtigen Springböcke. So langsam verändert sich die Landschaft und die Berge weichen einer Stein- und Sandwüste. Wir erreichen Sesriem und können hier im kleinen Supermarkt unsere (Alkohol-) Vorräte ein wenig ergänzen. Der Zeltplatz sieht nicht wirklich schön aus, wir haben aber ein privates Dusch-/Toilettenhäuschen mit heissem Wasser. Es windet quasi ununterbrochen, mal böiger, mal konstanter - Sand ist aber immer in der Luft. Hinter Bitzis Auto ist es ein wenig windgeschützter und wir können trotz allem die Abendsonne geniessen und die grasenden Onyxe beobachten. Unsere Spaghetti kocht Urs dann in der Dusche, anders hätten wir keine Chance mit dem Gaskocher. Zwischen Dach und Mauern klafft aber ein ziemlich grosser Abstand so dass der Wind auch hier einen kleinen Sandsturm veranstalten kann… Das Znacht ist definitiv kein richtiges Vergnügen. Das Essen knirscht schon bald zwischen den Zähnen, wir bedecken die Teller so gut es geht und beeilen uns. Ich mache uns wieder die Wohnraumvergrösserung und wir trinken unseren Roten gut geschützt im Truckli…

Die Nacht ist wieder wie gehabt: Es rüttelt und schüttelt an den Dachzelten und alles was flattern kann flattert halt. Wir frühstücken bei uns im Truckli und anschliessend fahren wir mit Bitzis Auto zu den Dünen in Sossusvlei. Schon bei Düne 45 (heisst so, weil sie bei Kilometer 45 steht) erhalten wir Anschauungsunterricht, wie Dünen entstehen. Der Wind weht mega stark und bläst den Sand über die Kante. Leider wird dadurch auch die Sicht auf die gesamte Landschaft eingetrübt. Aber imposant ist es trotzdem. Beim ersten Parkplatz überlegen wir kurz ob wir selber fahren oder den Shuttle nehmen sollen - Rudi fährt und kurvt gekonnt durch den tiefen Sand. Ohne Zwischenfall erreichen wir unser Ziel. Wir ziehen unsere Windbreaker an und machen uns auf den Weg Richtung Lehmsenke, die von Dünen umschlossen ist. Es bläst unsäglich, wir haben schon nach kurzer Zeit Sand in Augen, Ohren und Nase. Aber die kleine Wanderung lohnt sich: Der Anblick der grossen weisslich-gelben Lehmsenke mit den abgestorbenen Bäumen, die ihre Äste wie Arme gen Himmel strecken vor dem orangen Hintergrund der Dünen ist unbeschreiblich.

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Zurück im Camp waschen wir uns zunächst mal den Sand aus allen Poren, dann entscheiden wir uns, im Camp Restaurant zu essen. Wir packen das Brändi-Dog ein und machen es uns an einem Tisch gemütlich. Unsere Steaks sind besser als erwartet und vom Wein können wir eine zweite Flasche bestellen :-) Nur die Nacht steht uns jetzt noch bevor. Es scheint, dass der Wind ein kleines bisschen schwächer wird aber ungemütlich ist es trotzdem.

Obwohl nur knapp ausgeschlafen und nach einem weiteren Truckli-Frühstück führt unsere heutige Etappe wieder durch eine wunderschöne aber knochentrockene Landschaft. Im Westen begleiten uns weit entfernte Dünen. Als Zwischenstopp bietet sich Solitaire mit Tankstelle und der Mc Gregors Bakery mit dem besten Apfelkuchen der Welt! Wir probieren und wirklich schmeckt der Apfelstreuselkuchen perfekt zum Mittagskaffee. Leider backen sie kein Brot hier… Wir fahren noch etwa 50 km weiter und erreichen unsere nächste Unterkunft: Rostock Ritz Desert Lodge. Gleich am Eingang zur wunderschön in den Hang gebauten Lodge begrüssen uns drei Zebras, die vor den in die Landschaft integrierten Rundhäuschen grasen. Der Swimmingpool sieht verlockend aus, der kalte Wind bläst jedoch jeden Gedanken an ein Bad weg. Die Besitzerin macht uns auch nicht viel Hoffnung auf windstille Tage: In Swakopmund habe heute Morgen ein Sandsturm gewütet, der die Strassen teilweise zugeweht habe. Wir können uns das fast nicht vorstellen - ein Sandsturm in der Stadt?. Vielleicht ist ja morgen alles vorbei… Leider ist unser idyllisch gelegene Campingplatz so weit entfernt, dass wir nur mit dem Auto in die Lodge zum Essen fahren könnten. Schade aber kein Problem, wir haben noch überaus genug Vorräte und können gut selber kochen. Der Wind hält sich in Grenzen, wir parkieren so, dass unser Truckli dem Bitzi-Auto ein wenig Windschatten gibt und machen es uns gemütlich. Das heisse Wasser zum Duschen kommt aus einem Donkey, einem mit Feuer erhitzten Boiler, der bereits angefeuert ist. Regi geniesst ihre warme Dusche! Auf der windigen Seite des Sitzplatzes spannen wir ein Badetuch auf und beim Dog Spielen beschweren wir die Karten mit einem Stein - der Wind kann machen was er will…

Am Morgen gibt es eine kleine Überraschung: der linke Hinterreifen von Bitzis Auto sieht ziemlich platt aus. Kein Problem für Ruedi, er wechselt den Reifen als ob er das jeden Tag machen würde.

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Als wir dann so weit sind, fahren wir über den Gaub-Pass weiter zum Kuiseb Pass und über die Kuiseb Brücke durch den Canyon. Nun führt die Strasse durch die Ebenen der Zentralnamib und kurz vor Walvis Bay erscheinen hohe Dünen. Nun wird auch der Sandsturm logisch für uns: Walvis Bay und Swakopmund liegen wohl direkt am Meer aber auch die Wüste trifft hier auf die Wellen des Atlantik. Aber heute scheint es ruhig zu sein. Wir lassen in der Stadt zunächst den Reifen flicken (das Ventil war undicht), anschliessend füllen wir unsere Kühl- und sonstigen Schränke im Food Lovers wieder auf. Im Alte Brücke Resort angekommen sind die Angestellten immer noch dabei, die Reste des Sandsturms aufzuräumen und wegzuwischen. Es sieht auf den ersten Blick nicht wirklich schön aus, aber als alles geputzt ist, macht der Platz einen guten Eindruck. Heute kochen wir nicht selber - Fish and Chips vom gelben Bus am Strand stehen auf dem Menüplan! Als wir kurz vor Sonnenuntergang dort eintreffen, sind die Frauen gerade am Aufräumen. Geschlossen! Ich frage trotzdem, ob wir nicht doch noch vier Portionen bestellen könnten, wir hätten uns schon lange darauf gefreut. Wir können, die Friteuse ist noch heiss. Zur Vorspeise gibt es superfeine Kalamariringe und anschliessend riesige im Bierteig gebackene Kabeljau-Filets mit Pommes. Wir transportieren alles zu einer Bank am Wasser und geniessen Essen, Sonnenuntergang, spielende Menschen am Strand und ein mildes Lüftchen. Eine geniale Mischung. Den Gedanken an den nächsten Sandsturm, der irgendwann in den sehr frühen Morgenstunden wieder losgehen soll, verdrängen wir erfolgreich. Zurück im Camp sitzen wir noch lange draussen (ohne Windjacken und Wolldecken!) spielen Dog, trinken Wein und zum Schluss noch den obligaten Gin-Schlummertrunk. Zufrieden mit dem Tag und doch ein bisschen skeptisch was die Nacht betrifft gehen wir schlafen.

Urs und ich erwachen relativ früh, es hudelt und rauscht und flattert und sandet: Der Sturm ist in vollem Gang. Als wir kurz nach sieben aus dem Truckli steigen, sitzen Regi und Ruedi wie zwei mit Goldstaub panierte Häufchen Elend vor dem Eingang zur Dusche. Die Luft ist so voller Sand, dass wir kaum bis zur nächsten Palme sehen. Leider habe ich kein Foto gemacht von den beiden…

Wir schauen uns an und finden (fast ohne Worte), so eine Nacht brauchen wir nicht mehr. Auch an ein Frühstück unter diesen Bedingungen ist kaum zu denken, voraussichtlich bläst es bis am Mittag weiter so. Ich gehe zur Rezeption und erkundige mich, ob wir ein Häuschen mit vier Betten mieten können. Wir können und packen so schnell es geht alles zusammen und ziehen um. Ein Wohnzimmer, zwei grosse Schlafzimmer mit je eigenem Bad - was will man mehr? Jetzt steht dem Zmorge nichts mehr im Weg. Am Nachmittag ist wieder strahlend blauer Himmel, es ist warm und wir können unsere Stadtbesichtigung endlich in Angriff nehmen. Die deutsche Vergangenheit ist unverkennbar: Viele Strassen und Gebäude haben immer noch deutsche Namen, es gibt Bierhäuser und Cafés die jedoch erst langsam öffnen, da zuerst die Spuren der letzten Nacht beseitigt werden müssen. Der Atlantikstrand sieht einladend aus, ist aber zu kalt zum Baden. Wir begnügen uns mit dem Spaziergang auf die Eisenbrücke hinaus mit Aussicht auf Stadt und Wüste.

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Bei unserem Häuschen gibt es einen windgeschützten Sitzplatz mit Cheminée, ideal sowohl für den wohlverdienten Apéro als auch fürs anschliessende Kochen und Grillieren. Und dann haben wir eine super Nacht: kein Wind, kein Sand, kein Geflatter und eine Toilette - Luxus pur!

Am Morgen geniessen wir noch einmal das Frühstück, Urs macht uns sogar Rührei auf Toast! Wir haben das Gefühl, der Sturm sei heute nicht ganz so heftig, werden aber kurz nach der Abfahrt eines Besseren belehrt. Es ist, als würden wir durch Nebel fahren und unsere Autos sandgestrahlt werden. Wir fahren ein ganzes Stück ins Landesinnere bis es besser wird. Unsere heutige Route ist nicht wirklich lang. Die grosse Spitzkoppe, das Matterhorn Namibias, sehen wir schon lange bevor wir kurz nach dem Mittag das Restcamp erreichen. Wir fahren quasi auf jeden der weit verstreuten Plätze in dieser wunderschönen Berggegend, um den windgeschütztesten zu finden und lassen uns schliesslich hinter zwei Felsbrocken nieder. Nach dem Zvieri-Müsli halten sich unsere Aktivitäten in Grenzen: Ruedi geht auf Erkundungstour und findet nebst Holz auch eine Höhle, in der wir unser abendliches Feuer machen können, Regi füttert ein Erdmännchen mit Apfelstückchen und Weinbeeren und so wird es Abend und damit Zeit, das Essen vorzubereiten. Wir sitzen noch eine Weile am Lagerfeuer und gehen nicht zu spät ins Bett, da wir morgen einen etwas strengen Fahrtag vor uns haben.

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Und streng wird es wirkllich. Mehr als 370 km Gravelroad in oft sehr schlechtem Zustand. Wir kommen langsam voran, halten immer mal wieder an um die manchmal bergige, manchmal weiter Landschaft zu bestaunen, durch die sich die Wellblechpiste mal schnurgerade bis zum Horizont, mal kurviger über einen Hügel schlängelt. Die Anstrengung lohnt sich trotz allem, aber die Strecke ist eigentlich zu lang für eine Tagesetappe. Es reicht nicht für eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten um Twyfelfontein und das ist wirklich schade. Den versteinerten Wald und die Felszeichungen, die Urs und ich auf unserer ersten Namibia-Reise gesehen haben, müssen wir rechts liegen lassen. Über den Grootbergpass mit der gleichnamigen Lodge erreichen wir wieder eine weite Ebene und haben unser Ziel, das Honda Community Camp fast erreicht, als vor uns ein Personenwagen am Strassenrand steht. Sie haben einen platten Reifen und können ihn nicht wechseln, weil der Wagenheber zerbrochen ist. Wir halten an und helfen natürlich. Ruedi holt sein gutes Stück aus der Werkzeugkiste und dann ist der Schaden schnell behoben. Endlich da! Wir sind ziemlich müde von dieser Fahrt, einerseits weil das Fahren recht anstrengend war, andererseits auch, weil die Eindrücke so schnell auf einen einprasseln, dass man sie fast nicht verarbeiten kann. Wir sind froh, können wir uns hier für zwei Tage installieren. Beim Einchecken fragt uns die Angestellte, was wir denn machen wollen hier, wenn wir zwei Nächte bleiben. Das Angebot beinhaltet Pirschfahrten mit eventuellen Nashorn-Sichtungen oder einen Besuch in einem Himba-Dorf. Wir entscheiden uns für den Dorfbesuch und hoffen, dass es sich dabei nicht um ein vollkommen auf Touristen ausgerichtetes Zur-Schau-Stellen handelt. Wir beziehen unseren Platz und sind begeistert: Wunderschön in Felsen eingebettet können wir die Autos aufstellen und uns eine kleine Küche einrichten. Hermanus kommt gleich vorbei, stellt sich vor und heizt den Donkey (mit Holz befeuerter Boiler) ein so dass wir heisses Wasser haben. Super, den Staub der langen Fahrt können wir - selbstverständlich nach dem verdienten Ankunftstrunk - unter einer warmen Dusche abspülen.

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Hermanus ist heute auch unser Fremdenführer. Wir wandern durch die Buschlandschaft etwa 4km zu einem kleinen Himba-Dorf. Hermanus erklärt uns unterwegs Pflanzen und Landschaft und erzählt, dass das Gebiet um Grootberg (inkl. Lodge und Camp) von der Conservancy betrieben wird. Dabei handelt es sich um ein gemeindebasiertes Naturressourcen-Management, mit dem die einheimische Bevölkerung stärker am Tourismus beteiligt wird und ein Interesse daran hat, ihre Wildtiere und die Natur zu schützen. Nach einer knappen Stunde erreichen wir das winzige Dorf. Hermanus wird herzlich willkommen geheissen und auch wir anderen fühlen uns sehr wohl hier. Der Brunnen, mit dem Garten und Viel getränkt wird, wird mit Sonnenenergie betrieben, das Bohrloch ist 200m tief! Es hat hier sieben Jahre lang nicht geregnet und das meiste Vieh ist verendet oder wurde an einen anderen Ort mit mehr Niederschlägen gebracht. Einzig die Ziegenherde ist im Dorf und wir sind auch gleich eingeladen zum Melken… Dann werden werden wir aufgefordert, auf dem Feuer „Fat Cakes“ zu backen, Urs hat das voll im Griff, und anschliessend verputzen wir eine Hütte mit einer Lehm/Sand/Wassermischung. Da ist Ruedi der Fachmann und muss aufpassen, dass er nicht gleich angestellt wird! Zum Schluss gibt es Tee und eben die „Fat Cakes“, die im Zucker gewälzt und von Hand gegessen werden. Ein sehr schöner Besuch bei sehr bescheidenen aber zufriedenen Menschen, deren Leben für uns unvorstellbar hart ist. Hermanus aber würde niemals tauschen. Er lädt uns ein, wieder zu kommen, in zwei oder fünf oder zehn Jahren, er sei auch dann immer noch da.

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Endlich rücken Tiere in unseren Fokus. Heute fahren wir in den Etosha Nationalpark. Noch ein Stück Rumpelpiste, ein kurzer Einkauf in Kamanjap, dann sind wir am Tor. Eintritt bezahlen, Parkplan kaufen und los geht es, von Wasserloch zu Wasserloch tuckern wir Richtung Olifantsrus-Camp. Ein paar Zebras und Springböcke sind unterwegs, dann erreichen wir die erste Wasserstelle und haben Glück: Zuerst sind Zebras und Springböcke da, dann kommt eine Herde Gnus, die ersten Giraffen, Kudus und zu guter Letzt sind auch noch Elefanten da. Mit etwas Geduld und Glück kann man am gleichen Wasserloch unglaublich viele verschiedene Tiere beobachten. Wir stehen fast zwei Stunden da und staunen. Gegen Abend erreichen wir das Camp, nicht wirklich schön aber zweckmässig, mit einem Wasserloch an dem allerdings ausser dem prächtigen Sonnenuntergang nichts los ist. Die nächsten zwei Tage verbringen wir genau so: Von Wasserloch zu Wasserloch fahren und schauen, schauen, schauen. Es ist wunderbar. Im Okaukuejo Camp erleben wir in der Abenddämmerung magische Momente: Elefanten und Giraffen sind am schwach beleuchteten Wasserloch und löschen ihren Durst. Es ist - trotz der vielen Menschen hier - mucksmäuschen still. Wunderschön und unvergesslich.

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Wir verlassen den Park erst am späten Nachmittag und übernachten gleich ausserhalb im schön angelegten Onguma Tamboti Camp. Die Bilder der letzten drei Tage müssen wir noch ein bisschen verarbeiten. Unsere Vorräte reichen noch gut für’s Znacht und wir machen es wie fast immer: Urs und Regi kochen, Ruedi wäscht und Urs trocknet ab und ich habe Innendienst: Alles herausgeben - alles wieder versorgen…

Jetzt führt die Reise wieder südwärts. Die nächste Etappe wird wieder länger, aber wir fahren wieder einmal auf Teer (die Räder sind wieder stärker aufgepumpt). Unterwegs kaufen wir noch einmal gut ein ( vor allem der Wein ist rar geworden in unseren Vorratskisten) und dann kehren wir im Wartenberg Wilderness Camp ein. Wir stehen auf einem grossen Platz und haben eigene Toilette/Dusche. Allerdings muss auch hier ein Feuer brennen, damit das Wasser warm kommt. Diesmal habe ich das Pech, dass eine Zeltnachbarin wäscht und das ganze heisse Wasser verbraucht… Naja, es ist nicht wirklich kalt und so geht es. Nach einem reichhaltigen Frühstück mit Rührei und Toast machen wir eine sehr schöne Wanderung durch die Ebene und in halber Höhe entlang des Tafelberges. Auf dem Tafelberg, den man aber nur mit Führer besteigen darf, hätte es eigentlich Nashörner. Aber wir sind ganz zufrieden mit unserem Ausflug, auch wenn wir keine grossen Tiere, dafür aber viele bunte Vögel gesehen haben.

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Für Bitzis ist es heute die letzte Nacht im Dachzelt - ich glaube sie geniessen es - und für uns das letzte gemeinsam gekochte Abendessen. Es schleicht sich schon etwas Wehmut in die Stimmung…

So, Windhoek ist nicht mehr weit. Wir erreichen die Stadt am Mittag, reservieren gleich einen Tisch für’s Abendessen in „Joe’s Bierhaus“, fahren kurz zum Urban Camp für unsere Reservation am Sonntag, anschliessend zum Mechaniker für unseren Ölwechsel am Montag und dann zu ASCO, um das Mietauto zurück zu geben. So viel Stress nach so ruhigen Tagen! In der Elegant Lodge beziehen wir unsere Zimmer, spielen draussen am Tischchen Dog und nehmen vorsorglich einen Aperitiv dazu. Dann bestellen wir ein Taxi und fahren zum bereits seit Jahren legendären Bierhaus. Es ist wie es schon vor 15 Jahren war. Das Essen schmeckt, es ist laut und voll und eben so wie es sein muss. Den letzten gemeinsamen Schlummertrunk nehmen wir in der Lodge.

Letztes gemeinsames Frühstück in der Lodge, ein paar Runden Dog draussen am Tischchen und dann ist es Zeit: Bitzis werden abgeholt und zum Flughafen gebracht. Es ist nicht ganz einfach nach dieser sehr schönen und intensiven Zeit. Alle von uns verdrücken ein paar Tränen… Und nun reisen wir wieder mehr oder weniger allein…

Danke euch beiden für die wunderschöne intensive gemeinsame Zeit!!