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reifenspuren

Titel AdriaküsteAdriaküste

1. bis 13. Oktober 2018

Die letzten Abschiede liegen hinter uns. Es war auch für uns nicht ganz einfach, Familie und Freunden Lebewohl zu sagen und unser neues Abenteuer zu starten. Erst gegen Mittag haben wir unsere letzten Siebensachen (Honig und die letzten doppelt gerösteten spanischen Nüssli vom Chestelemuni, Quittengelee und Erdbeerkonfi, Bratensauce und die vielen Päckli Kambliguetsli, die wir geschenkt bekommen haben) verstaut und fahren los.

Der erste Halt ist bereits im Tessin. In Castione erwarten uns die ehemaligen Cargo-Teamleiter von Urs zu einem ausgedehnten Apéro. Alle sind sie gekommen und haben sich Zeit genommen für uns. Mit einem grossen Geschenkkorb beladen geht es weiter nach Morbio zur Familie Senekowitsch wo wir zum allerersten Mal auf dieser Reise im Truckli übernachten. Natürlich nicht ohne feines Nachtessen bei Cornelia und Thomas, den perfekten Gastgebern. Es geht uns wie immer: Wir schlafen tief und fest und lange.

Sneki hat sicher schon einmal geschwitzt beim Arbeiten bis wir endlich aufgestanden sind. Cornelia hat uns zum Abschied ein feines Zmorge gemacht und von vielen guten Wünschen begleitet geht es weiter Richtung Italien. Der Verkehr ist dicht, aber wir kommen gut voran. Kurz vor Venedig steht die erste Entscheidung an: Venedig besuchen oder auslassen? Bei einem Kaffee in einer Autobahnraststätte entscheiden wir uns zum Weiterfahren. Wir wissen, dass Esti und Peti in Postojna übernachten werden und diese Strecke ist noch gut zu schaffen. Also geht es weiter Richtung Grenze zu Slowenien. Kurz nach fünf kommen wir bei den Parkplätzen zu den Grotten an und finden in der hintersten Ecke das Auto mit Walliser Kennzeichen und der Wohnkabine, die wir bisher nur auf Bildern gesehen haben - allerdings ist niemand zu Hause… Wir ziehen uns etwas wärmer an (es ist merklich frischer geworden) und machen einen Spaziergang über das Gelände, ohne die beiden anzutreffen. Also wieder zurück und warten. Wir sind aber noch nicht weit, da ruft uns jemand und die beiden kommen von der Besichtigung der Grotten zurück. Die Überraschung ist gelungen! Wir kommen völlig unerwartet - umso fröhlicher ist das Wiedersehen. Draussen ist es zu kalt für den Apéro also setzen wir uns kurzerhand in die neue Kabine, die recht geräumig und sehr gemütlich ist. Esti kocht Risotto zum z’Nacht und wir geniessen den Abend in vollen Zügen.

Am Morgen stellen wir unsere „Trucklis“ kurzerhand in die Sonne und frühstücken draussen. Urs ist der Einzige, der die Grotten von Postojna noch nicht gesehen hat doch er verzichtet und wir fahren gemeinsam durch die kurvigen Bergstrassen Richtung Meer. Von unseren Kroatien-Ferien letztes Jahr kennen wir einen schön gelegenen kleinen Zeltplatz und hoffen, er ist noch geöffnet. Er ist und wir stellen unsere Trucklis schön nebeneinander, müssen aber für den Apéro bereits hinter dem Auto Schutz suchen vor der giftig wehenden Bora. Obwohl uns zeitweise fast die Gläser in’s Meer gewindet werden (wir müssen deshalb fleissig nachfüllen…) essen wir draussen und plaudern noch Ewigkeiten. Als wir dann endlich ins Truckli-Bett steigen, schütteln die Böen das ganze Auto und unser Dachzelt knattert so stark, dass wir uns nach einer Stunde zuhören entscheiden, das Dach zu schliessen und unten zu schlafen. Auch am Morgen hat der Wind nicht nachgelassen und als wir das Dach wieder öffnen, drückt er es einfach wieder nach unten. Wahrscheinlich haben wir - mit den zusätzlichen Dachkisten und der schwereren Felge - doch ein bisschen viel Gewicht.

Nach einem herzlichen Abschied von Esti und Peti verläuft unsere Weiterfahrt ruhig, mit wenig Verkehr und wunderschönem Wetter. In Sveti Peter na Moru, unserem nächsten Platz, waren wir letztes Jahr schon einmal. Zu unserem Glück, denn eigentlich wäre geschlossen. Aber der Papa kennt uns noch und so dürfen wir bleiben. Die Boiler werden extra für uns noch einmal eingeschaltet und so steht nicht einmal einer warmen Dusche (die wir nötig haben) etwas im Weg.

Leider haben die Olivenbäumchen auf dem Platz ihre Früchte abgeworfen, bevor sie richtig reif sind und so wird es dieses Jahr keine grosse Ernte geben. Tut uns leid, denn der Besitzer gibt sich unglaublich Mühe mit der Hege und Pflege seines Olivengartens.

Obwohl es uns ab und zu in die herbstlich gefärbten Berge ziehen würde, bleiben wir auf der Küstenstrasse. Unser nächstes Ziel ist Dubrovnik, die wunderschöne Stadt mit dem besterhaltenen Fort-System Europas. Wir suchen uns einen Platz etwas südlich davon in Mlini und machen einen ersten Spaziergang die steilen Treppen hinunter zum Strand. Mlini ist ein kleines Örtchen, das eigentlich nur aus einer Strasse dem Meer entlang besteht. Alte Häuser schmiegen sich an den Steilhang, liebevoll angelegte Gärtchen schmücken die Gebäude. Von hier aus lässt sich Dubrovnik bequem mit einem kleinen Schiff erreichen und man erspart sich sowohl Verkehrschaos als auch die Parkplatzsuche. Die Bootsfahrt entlang der Steilküste ist bereits imposant, die Stadt selber - obwohl wir sie mit hunderten von anderen Touristen teilen müssen - unglaublich eindrücklich. Zunächst kreuz und quer durch die Gassen, treppauf und treppab, gerade aus und wieder verwinkelt, erkunden wir zunächst das Stadtinnere. Anschliessend steigen wir auf die Mauer, auf der sich die Stadt komplett umrunden lässt. Nach einem wohlverdienten Bier in der Nähe des Hafens machen wir uns auf die Rückfahrt mit unserem Böötchen. Der Wind hat aufgefrischt und es schaukelt ganz schön stark. Ab und zu erwischt uns eine Gischt, aber beim Treppensteigen in Mlini werden wir wieder trocken…

Heute verlassen wir Kroatien und reisen in Montenegro ein. Die Formalitäten sind einfach, das wichtigste Dokument die grüne Versicherungskarte. Wir sind sehr gespannt auf das Land, das wir überhaupt nicht kennen.

Wir umrunden die ganze Bucht von Kotor mit dem kleinen Inselchen Sveti Đorđe, das ein Kloster beherbergt und ein beliebtes Fotosujet ist. Den ersten Halt machen anschliessend in Kotor selber und erfahren zum ersten Mal wie es ist mit dem Parkieren im Land: Es hat wenig Parkplätze und alles ist recht eng und ziemlich verstopft. Aber schliesslich schaffen wir es doch, unser Truckli abzustellen und begeben uns auf den Rundgang durch das alte mediterrane Handels- und Hafenstädtchen. Kotor (Gattaro) ist jedoch auch die Stadt der Katzen und beherbergt (wohl das einzige) Katzenmuseum. So sind denn die Tierchen in allen Grössen und Farben allgegenwärtig und werden gehätschelt und gepflegt.

Anschliessend geht es weiter nach Rijeka Crnovejica, einem Aussichtspunkt mit Blick auf eine Flusslandschaft beim Skutarisee. Die Strassen auch im Landesinneren sind in recht gutem Zustand, der Verkehr mässig und wir tuckern gemütlich dahin. Dann kommt eine Abzweigung und wir sind ziemlich unsicher, ob dieser Weg rund um ein Kirchlein durch Gebüsch und Gestrüpp wohl der Richtige sei. Nach einigem Zögern fahren wir los - für etwas ist ja unser Truckli schliesslich ein Geländewagen. Was dann kommt haben wir uns aber nicht ganz so vorgestellt. Zunächst geht es flott vorwärts, auch wenn der Weg eng und ungeteert ist und wir froh sind, wenn uns da keiner entgegenkommt. Dann aber windet er sich sehr steil und noch enger in vielen Haarnadelkurven hinunter ins Tal. Wir brauchen oft zwei Anläufe, um sicher um die Biegungen zu kommen, denn Leitplanken oder Ähnliches fehlen natürlich und das Gebüsch würde uns auch nicht aufhalten. Aber Urs meistert die Abfahrt bravourös und wir erreichen den Aussichtspunkt sicher und unbeschadet. Vor lauter Aufregung vergessen wir fast das Fotografieren. Zurück im Tal stellen wir dann fest, dass es auch einen einfacheren Weg da hinauf gegeben hätte aber sei’s drum, wir haben es genossen.

Es geht noch einige Kilometer holperig und eng weiter bis wir wieder auf eine grössere Strasse kommen. Das Kreuzen ist jedesmal eine kleine Herausforderung, aber zum Glück hat es nicht allzu viel Gegenverkehr. Wir überlegen kurz, ob wir oben am See einen Platz suchen sollen, entscheiden uns dann aber doch, wieder an’s Meer zu fahren. Der Platz in Utjeha in einem Olivengarten mit sechshundertjährigen Olivenbäumen ist ideal, hat Internet und erlaubt es uns, noch einmal an der Homepage-Problematik herumzubasteln.

Am nächsten Morgen beim Frühstück begrüsst uns ein lautes „Hallo Schweizer“ aus dem Nachbargarten. Wir kommen mit Pećo, einem Montenegriner, der dreissig Jahre in Luzern im Hotelfach tätig war, ins Gespräch. Die Einladung zum Schnaps bleibt dabei nicht aus, aber den verschieben wir auf den Abend. Zunächst geht es jetzt in’s Internet und ans Probieren, ob wir unsere Reifenspuren nicht doch noch in Ordnung bringen können. Nach vielen Versuchen gelingt dies schliesslich, noch nicht optimal aber immerhin. Dann müssen wir auch mal unsere Wäsche waschen und erledigen, was so ansteht in einem fahrenden Haushalt. Es hat eine Waschmaschine auf dem Platz und ich wage den Versuch. Ich denke, so gut gewaschene Wäsche hatten wir lange nicht, denn nach mehr als anderthalb Stunden waschen stellte ich die Maschine mit Unterstützung der Grossmutter auf dem Platz manuell auf Spülen um. Ende gut - alles gut, unsere Wäsche hängt zum Trocknen in der Abendsonne. Nun steht einem Spaziergang und dem Schnaps bei Pećo nichts mehr im Weg. Die Bucht ist schnell besichtigt, das letzte Restaurant schliesst gerade für die Saison und wir überlegen uns, was wir kochen sollen. Bei unserer Rückkehr sitzt Pećo in der Abendsonne auf dem Trottoir, holt uns zwei Stühle, Wein und Bier und schon sitzen wir auch da. Pećo erzählt Geschichten aus Luzern und fragt uns schliesslich, ob wir jassen können. Und so nimmt der Abend seinen Lauf: Wir setzen uns hinter dem Haus an den Tisch und beginnen mit „Coiffeur“ zu dritt. Das kannten wir bisher nicht, ist aber total spannend zu spielen. Pećos Haushälterin backt frische Waffeln, Käse kommt auf den Tisch und wir vergessen die Zeit. Spät ist es, als wir zu unserem Truckli zurück wollen - und schwierig dazu: Alle Tore sind abgeschlossen, die Besitzer bereits im Bett. So bleibt uns nicht viel anders übrig als über den Zaun zu klettern um in’s Bett zu kommen.

Obwohl uns das Wenige, das wir von Montenegro gesehen haben, extrem gefallen hat, entscheiden wir uns weiter südwärts zu fahren, denn irgendwie können wir noch nicht so gut einschätzen wieviel Zeit wir brauchen werden bis an die iranische Grenze und wir haben das Gefühl, wir befinden uns immer noch in der Ferienziel-Gegend und noch nicht so ganz auf der Fernreise. So packen wir also zusammen - die Wäsche ist trocken! - verabschieden uns von Pećo und peilen die Grenze zu Albanien an.

Eigentlich wollten wir noch einkaufen, unser Kühlschrank ist ziemlich leer, aber im Verkehrschaos von Ulcinj geben wir es auf, einen Supermarkt mit einem Parkplatz zu finden. Ein Brot aus der Bäckerei muss reichen. Dann überqueren wir die Grenze zu Albanien am Übergang Muriqan-Sukobin.

Im Vergleich zu Kroatien fanden wir schon Montenegro ein viel ärmeres Land, in Albanien fühlen wir uns um Jahrzehnte zurück versetzt. Schaf- und Ziegenhirten, praktisch keine Landmaschinen um das fruchtbare Land in der Flussebene der Buja zu bebauen, Pferde- und Eselskarren auf der Strasse. Bilder, die wir nicht unbedingt mit der Adriaküste verbinden. In Skhodër, der ersten grösseren Stadt nach der Grenze, müssen wir aufpassen wie die Häftlimacher beim Fahren: Viele Velos, Pferdekarren und Fussgänger bevölkern die Strasse genauso wie Autos aller Marken und Alter. Beidseits reiht sich ein Tante-Emma-Laden an den nächsten, grössere Geschäfte sind die absolute Ausnahme. Aber alles geht ohne Hektik: man fährt wenn es geht und wartet, wenn die Strasse verstopft ist. Kaum sind wir etwas ausserhalb sehen wir, dass hier auch die Truten auf die Weide geführt und gehütet werden - wäre für mich fast ein Grund, in diesem Land Truthahn zu essen…

Wir fahren noch ein gutes Stück Richtung Norden bis wir an einer Stichstrasse hinab zum See einen Campingplatz finden: Riesengross, supermodern, gut besucht vor allem von Deutschen, Schweizern und Österreichern. Wir suchen uns ein Plätzchen zwischen all den grossen Campmobilen. Eingekauft haben wir immer noch nicht und so gibt es ein traditionelles albanisches Menü im Restaurant. Viel Rohkost aus Tomaten, Peperoni und Gurken, gebratenes Gemüse, sauer eingelegtes Gemüse, ein Stück Fleisch und Fladenbrot mit Tsatsiki. Superfein und extrem günstig trotz dem nicht wirklich typisch albanischen Restaurant. Als wir vom Essen zurück kommen, haben wir einen tschechischen Motorradfahrer als Nachbarn bekommen. Es ist stockdunkel und er stellt mit seiner Stirnlampe sein Zelt auf. Da können wir doch weiterhelfen mit unserer Lampe. Er schwärmt von unserem Truckli, das offenbar genau seinen Träumen entspricht…

Über Land fahren wir wieder an die Küste und machen unseren nächsten Einkaufsversuch in der Hafenstadt Durrës. Es wird so quasi ein Sightseeing vom Auto aus, denn auch hier geben wir mangels Parkmöglichkeit auf… Aber wir fahren durch noble Hotelviertel in Strandnähe und sehen, dass Durrës offenbar ein wichtiger Badeferienort ist. Die Infrastruktur entspricht dem „Adria-Standard“ und die Stadtstrände laden zum Verweilen ein. Wenn man hier ein Hotel gebucht hat, ist auch das Parkplatzproblem gelöst.

Wir haben den Eindruck eines riesigen Stadt-Land-Gefälles, stellen aber auch fest, dass wir uns für diesen Teil unserer Reise nicht wirklich vorbereitet haben. Es fehlt uns an Kenntnissen über das Land und Reiseführer haben wir für diesen ersten Teil keine dabei. Das Truckli bietet halt nur begrenzt Platz, unsere Reise ist lang und führt durch viele Länder… Wir fahren also weiter (und merken später, dass es in Durrës ein grosses Amphitheater zu besichtigen gegeben hätte…)

Kurz bevor wir die Hauptstrasse verlassen wollen, sehen wir einen Maximarket mit Parkplätzen! Nix wie los und einkaufen. Wir staunen ob dem Angebot. Irgendwie scheint alles aus Italien zu kommen. Wir füllen unseren Kühlschrank wieder und sind gerüstet, falls wir kein Restaurant finden sollten. Bei Karpen an einer Stichstrasse zum Meer übernachten wir schliesslich auf dem Platz Pa Emer direkt am Strand. Die sanitären Anlagen sind bescheiden und auch das Beizli auf dem Hügel macht uns nicht an. Also ist Kochen angesagt und Urs nimmt den Benzinkocher in Betrieb. Er spuckt im Moment und wir müssen immer ein bisschen aufpassen, dass nichts in Flammen aufgeht. Es liegt wohl daran, dass unsere Sandblech-Bar nicht mehr ganz waagrecht ist. Schliesslich sind unsere frisch gekauften Tortellini aber doch weich, nur die Menge ist eher bescheiden. Urs hilft sich mit einem Schinkenbrot als Nachtisch.

Obwohl wir ziemlich orientierungslos unterwegs sind, peilen wir heute als nächstes Ziel Gjirokaster, eine alte Stadt in den südlichen Bergen von Albanien an. Wir fahren der Vjosa entlang, einem Fluss so türkisblau wie die Soča in Slowenien. Das Flussbett ist hunderte Meter breit, der Fluss selber führt aber nur wenig Wasser. Bei Kodër biegen wir ins Tal des Drino Flusses ab und erreichen Gjirokaster bereits gegen Mittag. Rasch schauen wir, wo wir übernachten können: auf der anderen Seite des Flusses gibt es ein kleines Restaurant, das auch Stellplätze zur Verfügung stellt. Wir stellen unsere Stühle hin und fahren dann mutig mit dem Truckli in die Stadt. Oben bei der Burg soll es Parkplätze geben (wir haben langsam ein Parkplatz-Trauma) und so folgen wir brav unserem Mapsme, das uns durch Gassen führt die steiler und steiler, enger und enger werden. Offenbar fahren wir mitten durch die historischen Altstadtquartiere. Als wir der Sachen nicht mehr so ganz trauen, macht Urs ein gekonntes Wendemanöver. Aber der hinter uns fahrende Albaner erklärt uns, dass wir schon richtig sind und es nur noch gerade hundert Meter weiter so ginge, dann hätten wir den öffentlichen Parkplatz erreicht. Also noch einmal wenden und weiter hochkraxeln. Wirklich, da oben ist ein Parkplatz. Allerdings ist es nicht der, den wir gesucht haben, aber ideal für Burg- und Altstadtbesichtigung. Hoch oben auf der Burg haben wir eine wunderbare Aussicht über das ganze Tal, das landwirtschaftlich genutzt wird. Entlang der Berge reiht sich Dorf an Dorf in sicherer Entfernung vom Fluss, dessen Überschwemmungen das Land fruchtbar halten. Der Blick auf die Dächer der Altstadt direkt unter uns ist wunderschön. Die alten Häuser mit den grossen Holzfenstern sind mit den grauen Steinen der Umgebung gedeckt. Dadurch wird die Innentemperatur reguliert: Im Sommer bleibt es kühl und im Winter wird die Kälte eingedämmt. Die Burg selber dient heute als (Waffen-)Museum und beherbergt unter anderem ein altes amerikanisches Flugzeug, um das sich verschiedene Geschichten ranken - die eine aus Sicht der USA, die andere aus Sicht des damals kommunistischen Albaniens. Mit den Fakten haben beide nicht viel zu tun…

Nach einem Bummel durch die Souvenirläden der Altstadt kehren wir zurück - diesmal auf einer richtigen Strasse, die das historische Zentrum umfährt. Da wir festgestellt haben, dass es uns an allen Ecken und Enden an Informationen und auch an guten Karten fehlt, suchen wir im neueren Teil der Stadt eine Buchhandlung in der Hoffnung, da etwas Gescheites kaufen zu können. Aber es gibt nichts. Wir trösten uns mit einer Glace. Zurück an unserem Übernachtungsplatz geniessen wir die Abendsonne und essen noch einmal ein traditionelles albanisches Menü - typähnlich wie auf dem Zeltplatz, aber definitiv authentischer mit gebratenen Reiskugeln und Hacktätschli.

Wir folgen weiter dem Fluss Drino, fahren dann über einen Pass mit sagenhafter Aussicht bis in’s nächste Tal hinab und machen einen Abstecher zum Syri i Kaltër (blaues Auge). Dabei handelt es sich um eine grosse Quelle, deren Wasser tief aus dem Karstgebirge in einem türkisblauen Auge an die Oberfläche sprudelt. Ein wunderschöner Anblick. Es erstaunt uns, dass das, was bis vor Kurzem wohl ein Ausflugsrestaurant gewesen ist, in Trümmern liegt als ob eine Bombe eingeschlagen hätte. Ein paar Männer sortieren Brauchbares von Unbrauchbarem und ein Lastwagen steht für den Abtransport bereit. Das Rätsel löst sich auf unserem nächsten Zeltplatz: Es handelte sich bei dem Restaurant um einen unbewilligten, also illegalen Bau und diese werden in Albanien kurzerhand gesprengt.

Den letzten Bergrücken, der uns noch vom Meer trennt, müssen wir nicht überqueren sondern die Strasse führt durch eine immense Schlucht wieder in die Küstenebene. Wir übernachten in Ksamil auf einem superschönen Platz. Kaum sind wir angekommen, steht schon ein Tablett mit kaltem Kaffee und viel Schaum darauf, einer Handvoll Baumnüsse, Zeltli und Mineralwasser vor uns auf einem kleinen Tisch. Da fühlt man sich doch wirklich willkommen. Am Strand sind alle Beizli bereits im Winterschlaf, die Promenade - sie hat auch schon bessere Zeiten gesehen - ist wunderschön angelegt und wir die einzigen Spaziergänger.

Heute müssen wir wieder selber für unser Wohl sorgen, denn leider kocht Aleksander nicht - wir hätten gerne noch einmal ein traditionelles albanisches Z’nacht genossen.

Albanien ist ein weiteres Land, von dem wir keine Ahnung und jetzt erste Eindrücke gesammelt haben. Es ein Land, das sich unbedingt zu bereisen lohnt! Einfach beim nächsten Mal mit Reiseführer und besseren Strassenkarten ausgerüstet und mit mehr Zeit. Ich weiss, das hört sich komisch an wenn wir das schreiben, aber unser Weg ist noch lang, führt über Berge und der Winter naht, auch wenn sich das Wetter von seiner allerbesten Seite zeigt.

 

Schutzengel und andere Beschützer/innen

Sidebar Adriaküste (2)Dieser hat uns schon auf unserer letzten Reise liebevoll behütet...

Sidebar Adriaküste 4... damit er nicht so allein ist, hat er ein Gspähnli bekommen...

Sidebar Adriaküste 7... und eigentlich kann man nie genug davon haben!

Sidebar Adriaküste 6Über unsere ganze Reise soll Christophorus, der Schutzheilige aller Reisenden, wachen.

Sidebar Adriaküste 5Sogar die Herzli haben ein Plätzchen gefunden, allerdings können sie nicht immer dort bleiben, denn auf den Rumpelpisten chlefelen sie zu stark

So sind wir gut beschützt und behütet Lieben Dank allen, die in so liebvoller Weise an uns gedacht haben.

 

Waschtag in Dubrovnik

Sidebar Adriaküste 1Mit Smartphone und WiFi wird es zumindest nicht langweilig!

 

Sicherheit

Sidebar Adriaküste 8Nach unserem Erlebnis mit der Bora sind wir ein bisschen verunsichert - wäre ja zu dumm, wenn wir von unserem Dach erschlagen wüden. Wir erklären dem Sohn des Zeltplatzbesitzers in Sveti Peter na Moru unser Problem. Er versteht unser Anliegen sofort, holt einen Meter, misst aus und fünf Minuten später haben wir eine Dachlatte, die perfekt passt.

 

Die unschönen Seiten armer Länder

Sidebar Adriaküste 2Je südlicher wir kommen, desto allegenwärtiger sind solche Abfallhaufen an den schönsten Orten. Da muss wohl noch viel gearbeitet werden, bis es auch den Menschen hier weh tut, wenn sie solche Bilder sehen.